Kirchengeschichte (Stand Dez. 2000)

Bad Waldsee, eine an der oberschwäbischen Barockstraße gelegene mittelalterliche sehens- und besuchenswerte Stadt, ist als Heil- und Kurort von Bedeutung weithin bekannt. Ihre Anfänge gehen bis ins 12./13. Jahrhundert zurück: 1198 Gründung des Augustiner-Chorherrn-Stifts und 1298 Verleihung des Stadtrechts. Auch in den folgenden Jahrhunderten gehört Waldsee zum katholischen Habsburgerreich mit dem Namen "Vorder-Österreich". Dann aber vollzieht Napoleon 1806 seinen Plan der "Neuordnung Europas" und überträgt diesen Landstrich zwischen Bodensee und Donau vom katholischen Österreich an das evangelische Württemberg. Hier liegt die Geburtsstunde unserer evangelischen Gemeinde.         


Es kommen evangelische Christen aus Altwürttemberg ins Oberland, so auch nach Bad Waldsee, und 1834 wird festgestellt, dass außer den 1651 katholischen auch 39 evangelische Bürger hier ansässig sind. Diese fanden sich zunächst in Hauskreisen zusammen. Ab 1853 kam des öfteren ein Pfarrer aus Biberach. Als dann 1875 die Zahl der evangelischen Gemeindeglieder sich auf 200 erhöht hatte, kam der Wunsch auf, ein eigenes Gotteshaus zu haben. Dies "stolze Jahrhundertwerk" konnte dann auch 1889 trotz bedeutender finanzieller Belastung vollendet werden.

Dass die neue Kirche in Bahnhofsnähe erstellt wurde, hatte für die weit und zerstreut wohnenden Kirchgänger einen großen Vorteil. Über die spezielle Situation der Diaspora-Gemeinden im Oberland ist dem Bewerber für die 1937 neu zu besetzende Pfarrstelle klar gesagt worden: "Die Waldseer Kirchengemeinde ist eine weit verzweigte Diaspora-Gemeinde von 500 Seelen, von denen nur 260 in Waldsee selbst wohnen, die anderen verteilen sich auf sieben Dörfer und zahllose Weiler und Einzelhöfe. Trotzdem sollte es dem Pfarrer gelingen, jedem Einzelnen nah und fern treu nachzugehen."

Inzwischen ist die Gemeinde auf über 3000 Gemeindeglieder angewachsen mit zunehmender Tendenz u.a. durch die Planung des neuen Stadtteils Ballenmoos.

Waldsee hat sich nach dem letzten Krieg wirtschaftlich kräftig entwickelt und ist dementsprechend ein interessanter Standort geworden; neue Wohngebiete wurden erschlossen. Dementsprechend war auch das Wachstum der evangelischen Kirchengemeinde, und 1974 war es dann so weit, dass ein Gemeinde- und Familienzentrum mit großem und kleinem Saal, Küche, einem zweiklassigen Kindergarten und drei Wohnungen gebaut werden konnte. Im Untergeschoss sind mit den "Katakomben" Jugendräume eingerichtet worden.


Joachim Huchatz